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Teatime hautnah in Nuwara Eliya

Sri Lanka Urlaub | Teefelder

Tee gehört zu Sri Lanka wie der Deckel zum Topf. Er ist eines der wichtigsten und wahrscheinlich das bekannteste Exportprodukt des Landes. 1867 eröffnete der Schotte James Taylor die erste kommerzielle Teeplantage Sri Lankas. Der Tee trat von diesem Zeitpunkt seinen Siegeszug durch das Land an. Er wurde so berühmt, dass Sri Lanka früher „Ceylon“ hieß – wie der Tee, der noch heute unter diesem Namen verkauft wird.

Nuwara Eliya

Nuwara Eliya wird in vielen Reiseführern als „Little-England“ bezeichnet, denn auch wenn die kleine Stadt nichts mit den modernen britischen Städten g...Weiterlesen

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Umso mehr freue ich mich heute einen Tag mit den Teepflückerinnen im Hochland Sri Lankas verbringen zu dürfen. Schon die Anreise nach Nuwara Eliya soll zu einem wahren Highlight meines Urlaubs werden. Hinauf geht es mit dem Zug. Als Ersatz für die Klimaanlage dienen offene Fenster. Ich schaffe es sogar einen Platz an einer der offenen Türen zu ergattern. Den Fahrtwind im Haar und einige hereinpeitschende Äste inklusive fahren wir durch die immergrüne Landschaft. Die Teepflanzen reihen sich in grünen Linien parallel zu den Hügeln entlang der Hänge und kleine bunte Punkte tauchen immer wieder aus dem Grün hervor. Erst ein zweiter Blick offenbart ihre Herkunft. Es sind die Teepflückerinnen in ihren bunten Saris. Fröhlich winken sie dem vorbeifahrenden Zug zu.

Je näher ich meinem Ziel komme, umso hügeliger wird die Landschaft und es wird spürbar kühler. Auf circa 1.900 m Höhe befindet sich der Bahnhof von Nuwara Eliya, Nanu Oya. Beim Verlassen des Zuges haben alle Reisende eine Jacke oder Pullover an. Ich finde mich inmitten von 200.000 Hektar Teefeldern wieder. 300 Millionen Kilo werden auf dieser Fläche jährlich geerntet und ich werde heute ein paar Kilo zusteuern.

Bevor es los geht, bekomme ich eine kurze Einweisung. Als Arbeitskleidung dient eine Plastikplane, die ich um die Hüften gebunden bekomme. „ Die schützt dich vor den harten Zweigen“, erklärt Malati, mein heutiger Guide. Anschließend drückt Sie mir einen Stock in die Hand. Er dient beim Pflücken als Maßstab und Kontrollwerkzeug. Es müssen immer zwei Blätter mit der Blüte gepflückt werden. Abschließend bekomme ich den Korb aufgesetzt. Mit einem Band um den Kopf wird er fixiert und ich bin bereit. An der Seite von Malati betrete ich das Teefeld. Sie beginnt direkt mit geübter Hand den Tee zu pflücken. Schnell wandert eine Hand voll nach der anderen in den Korb. Während ich noch an der ersten Pflanze mit dem Stock die richtige Stelle abmesse. Ich arbeite mich langsam aber sicher Pflanze für Pflanze weiter. Malati ist mir derweil längst enteilt. Pro Tag muss sie mindestens 20 kg Tee pflücken, damit sie ein gutes Auskommen hat. Stolz erzählt sie mir, dass sie oft mehr als 25 kg schafft. Einige Pflückerinnen feuchten den Tee an, um ihn schwerer zu machen. Eine gute Idee angesichts der leichten Blätter, denke ich. Da ich meinen Tee später selber noch fermentieren und trinken werde, verzichte ich jedoch auf diesen Trick und pflücke weiter. Zwei Blätter, eine Blüte – ich bekomme langsam Routine und mein Korb füllt sich schneller. Immer wieder dreht Malati sich um und winkt mir zu. Um ihr zu signalisieren, dass es mir gut geht, winke ich zurück. Still arbeiten wir uns durch das Teefeld.

Am Abend kommt dann die Stunde der Wahrheit. Es geht zum Wiegen. Zwischen den Teepflückerinnen reihe ich mich hinter Malati ein. Die Körbe der Anderen sind bis über den Rand gefüllt, meiner füllt knapp die Hälfte. Malati legt gut vor, 26,5 kg hat sie heute gepflückt. Ich habe natürlich deutlich weniger zusammen bekommen. Zudem trügt das Volumen, am Ende komme ich auf 7 kg. Einen kleinen Teil meines Ertrages nehme ich, an den zum Trocknen vorbereiteten Teeblättern vorbei schlendernd, mit in die benachbarte Fabrik, um den weiteren Prozess kennen zu lernen. Meinen Restertrag möchte ich Matali für ihre tolle Erklärung schenken aber dazu ist sie zu stolz. Der Betrag kommt in eine Gemeinschaftskasse und wird unter allen Pflückerinnen aufgeteilt. Damit die Pflückerinnen nicht von ihrer Arbeit abgehalten werden, wird Trinkgeld für Fotos oder meinen Ertrag gesammelt und später aufgeteilt. Von Matali muss ich mich verabschieden - kurz aber sehr herzlich. Danach verschwindet sie im Grün der Landschaft auf einem der Pfade zum Zug.

Beim Betreten der Fabrik denke ich sofort an ein Museum. Die Maschinen stehen still und scheinen 100 Jahre alt zu sein. Normalerweise müssten die Maschinen laufen, da gestern aber Feiertag war und immer der Tee vom Vortag verarbeitet wird, wird hier heute nicht gearbeitet. In einem kleinen Raum am Ende der Halle gibt es eine weitere „Teeverarbeitungsmaschine“. Im Kleinformat wird mein Tee fermentiert, getrocknet und gesiebt, damit ich eigene Tasse Tee trinken kann. Ich bin damit einer der wenigen, die in Sri Lanka tatsächlich den Ceylon Tee trinken werden, denn nahezu 100 % des geernteten Tees wird exportiert.

Erst auf der Heimfahrt im Zug merke ich, die Anstrengungen des Tages und bin froh, dass ich am nächsten Tag wieder die Annehmlichkeiten meines Hotels genießen kann. Tag für Tag 25 kg Tee zu pflücken ist eine tolle Leistung, die mir vollsten Respekt abverlangt. Ich weiß nicht, ob ich täglich dem vorbeifahrenden Zug zuwinken könnte, so wie es Matali morgen wieder machen wird. 

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